Allerlei und nichts

So, dies hier soll meine 2. Geschichte werden (auch wenn die 1. noch lange nicht fertig erzählt ist).
Diesmal will ich versuchen etwas mehr Richtung Krimi zuschreiben.
Viel Spaß beim lesen.

.. Ach ja, gewidmet ist sie Fräulein Lila





Mord per E-mail


Wie jeden Samstagmorgen stritten sich die Stiefschwestern Nathalie und Sandra Violetten darum, wer dass Fernsehprogramm beim Frühstück bestimmen durfte. Sandra, ein GZSZ - Fan wie er im Buche steht, bestand natürlich darauf, die Wiederholung der Folgen ihrer Lieblings - Soap anzusehen. Wer Nathalie jedoch kannte, wusste dass sich diese lieber die Augen ausgestochen hätte als jenes Gesülze anzusehen, indem die Liebschaften der Darsteller sich öfter wechselten als jene ihre Unterwäsche. „Geh doch wieder online und chatte mit deinem Michael-Schatz“, äffte die drei Jahre jüngere Sandra. Hierbei zu erwähnen wäre, dass Michael Bauer seit knapp zwei Jahren Nathalies E-Mail Freund und heimlicher Schwarm war. Doch abgesehen davon das er in Hamburg und sie in München lebte, waren da ganze 20 Jahre die den 41 Jährigen von ihr trennten. Nichts desto trotz hatte aber auch er schon ein gewisses Interesse seinerseits an ihr bekundet. Nathalie ignorierte ihrerseits dafür den Altersunterschied wie ein einzelnes Sandkorn auf der Windschutzscheibe ihres Autos.
Nathalie lies dann der „Kleinen“ schließlich doch noch ihren Willen und setzte sich in ihrem Zimmer an den Laptop, welchen sie von ihren Eltern zum 20. Geburtstag bekommen hatte.


Nathalie V.: Hei Michi, hast du gerade etwas Zeit?

Michael B.: Guten Morgen und ja, für dich doch immer. Was gibt’s?

Nathalie V.: Den üblichen „Kleine – Schwester – zickt – herum - Terror“…

Michael B.: Lass mich raten, GZSZ wird gerade im Fernseher wiederholt?

Nathalie V.: Oh ja… ;( Hast du heute schon in den Nachrichten von der jungen, toten Frau gehört, die sie in Lübeck gefunden haben?

Michael B.: Ja, anscheinend wurde sie zuerst vergewaltigt und anschließend erstickt.

Nathalie V.: Das hatte ich noch nicht gehört, ganz schön krank, was?

Michael B.: Und wie! Irgendein kranker Perverser läuft hier frei rum, wenn ich denn treffe …

Nathalie V.: Pass nur auf, vielleicht kennst du ihn ja echt, schließlich ist Lübeck nicht sooo weit weg von dir.

Michael B.: Ich wüsste aber wirklich nicht, ob ich es gleich merken würde wenn einer meiner Freunde ein Mörder wäre… Schließlich gibt es doch so viele Menschen die unbemerkt ein Doppelleben führen.

Nathalie V.: Ach Quatsch, das hat man doch immer irgendwie im Gefühl. Ich würde so etwas bestimmt schon 100 km gegen den Wind riechen, wenn jemand in meinem Bekanntenkreis Dreck am Stecken hätte.

Michael B.: Dann ist ja gut, pass auf dich auf mein schlaues Mädchen. Ich muss jetzt ein paar Erledigungen tätigen und ich möchte dass du noch lebst wenn ich den Computer das nächste Mal einschalte!

Nathalie V.: Keine Angst, ich pass schon auf mich auf. Bis bald! :x



Mit einem Seufzer vollkommener Zufriedenheit schaltete sie den PC ab und ging zurück in die Küche. Dort ging Sandra gerade mit ihren Stars durch Himmel und Hölle. Sie hatte ihren Blick so gebannt auf den Bildschirm gerichtet, dass sie die Anwesenheit ihrer Schwester nicht einmal bemerkt hatte. Erst als ihr diese die Sicht auf den Fernsehapparat nahm und sagte: „Ich geh mit Roman in die Stadt, sag Mama das ich zum Abendessen wieder da bin“, registrierte Sandra deren Präsenz zornig. „Auf Nimmer Wiedersehen, blöde Kuh!“, rief sie ihr trotzig nach. Für ihre 18 Jahre war Sandra Violetten durchaus noch nicht so reif wie man hätte meinen könnte. Doch der neue Lebensgefährte von Nathalies Mutter erklärte „sein Engelchen“ sei halt noch nicht so abgestumpft und vom Leben verbittert wie ihre „schon alte“ Schwester. Kaum verwunderlich, dass er Nathalie vom ersten Tag an schon unsympathisch erschienen war.

Es war schon viertel nach elf als Nathalie vorm CD-Laden ankam. Nach einer kurzen Umarmung entschuldigte sie sich bei Roman mit: „Die kleine Zicke hat wieder solange rumgenörgelt bis ich mich in Michaels Worte zurückziehen musste.“ Roman Monter war nicht nur Nathalies bester Freund seit der Grundschule sondern auch schon seit dem Tag ihrer ersten Begegnung in sie verliebt. Doch er hätte sich eher einen Finger abgeschnitten oder wäre sogar aus einem Flugzeug gesprungen bevor er ihr seine Liebe gestanden hätte. Dass sie ihn wieder einmal fast eine halbe Stunde warten gelassen hatte nahm er an und für sich gerne hin, wenn es nur nicht dauernd wegen dieses Michaels passieren würde. „Stell dir das nächste mal den Wecker, bevor du den Computer einschaltest!“, empfahl er mit einem gekünstelten Lächeln auf den Lippen. Lange konnte er das Versteckspiel definitiv nicht mehr aushalten. „Ist da etwa jemand eifersüchtig?“, hänselte sie ihn und wusste dabei gar nicht wie punktgenau ihre Worte die Situation beschrieben. „Auf einen doppelt so alten Knacker wie ich eifersüchtig? Nie im Leben!“, grinste er falsch. „Dann ist ja gut, lass uns rein gehen.“
Im absoluten Lieblings Musikladen, welcher übrigens auch genauso hieß („Musikladen“), konnten die beiden Stunden verbringen. Und nicht selten ließen sie dabei ihr hart mit Nebenjobs verdientes Geld zurück. Auch diesmal fand Nathalie etwas, zwei Schallplatten und eine Live - CD von The Who, welche einen Ehrenplatz in ihrer Sammlung bekommen sollten. Auch Roman entdeckte eine alte CD von Zucchero. Natürlich kaufte er diese ausschließlich für seine Mutter, wie er jedem weiß machen wollte. Nur Nathalie hatte er einmal seine Schwäche für den Italiener gestanden.
Kurz darauf schlenderten sie durch die alte Stadt und blieben lange vor dem Instrumentengeschäft stehen, welches seit kurzem eine „Fender Stratocaster“ und eine „Gibson Les Paul“ im Schaufenster hatten. Wieder kam spaßhalber die Idee auf, eine Bank zu überfallen um jene zwei Gitarren zu kaufen. Etwas traurig gingen sie widerwillig weiter.
Gegen halb sieben war Nathalie dann wieder gutgelaunt zuhause. Dort traf sie aber nur auf ihre Schwester welche, schon wieder, am GZSZ schauen war. „Du hast auch keine anderen Hobbys oder?“, zog sie die „Kleine“ auf. Jene war aber wieder so in ihre Soapwelt versunken, dass sie die Spötterei nicht einmal wahrnahm. Also verzog sich Nathalie in ihre Zimmer und startete den PC. Leider hatte sie Glück im Unglück, Michael hatte ihr zwar wieder eine E-Mail geschrieben, doch war er leider nicht online um zu chatten.


„Hei Nathalie!

Ich hoffe es geht dir immer noch gut und deine Schwester sitzt nicht immer noch vor dem Fernsehgerät
Aber da ich momentan leider nicht viel Zeit habe, komme ich lieber gleich auf den Punkt: Aufgrund einer sehr wichtigen Konferenz für unsere Firma, werde ich kommenden Monat für ein paar Tage in Regensburg sein. Wie wäre es wenn wir und dann endlich mal treffen?

Liebe Grüße
Michael“


Seltsam, dass er wieder von einem Treffen sprach. Nicht dass sie etwas dagegen hatte, doch irgendwie war Michael seit einer guten Weile geradezu Besessen davon. Ach, er freut sich wahrscheinlich nur darauf mich endlich einmal persönlich zu treffen, was soll schon dabei sein, ich paranoides Dummerchen, wischte sie ihre Bedenken weg. Fast aus Trotz ihrer Angst gegenüber schrieb sie im sogar sofort zurück:


„Ahoi Michi!

Habe heute noch einen schönen Tag mit Roman in der Stadt verbracht. Wir haben wieder die Gitarren besucht
Es tut mir leid für dich, dass du gerade so viel Stress zu haben scheinst.
Bezüglich deines Besuches bin ich auch der Meinung, dass es eine gute Gelegenheit wäre, uns bald zu sehen.
Schreib mir einfach, wann du kommst!

In Liebe
Nathalie“